Staatliche Grundschule „Lucas Cranach“

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Gedanken zur Jahrgangsmischung

Jahrgangsmischung ist ein strukturelles pädagogisch begründetes Mittel, um das Ziel einer flexiblen Verweildauer in der Schuleingangphase zu erreichen. Zusätzlich hat sie folgende Vorteile:

· Kinder kommen schneller in der Schule an, wenn sie dort auf Partner treffen, die ihnen den Schuleintritt erleichtern.

· Kinder lernen von Kindern zuerst die Schulregeln, die Abläufe und die Aufgabentypen. Gelingt es offene Aufgaben zu stellen, dann ist die Chance hoch, dass die Kinder (zunächst mit Anleitung) gemeinsam auf unterschiedlichen Niveaus an einer Sache arbeiten können.

· Für die älteren Kinder hat Jahrgangsmischung den Vorteil, dass sie den Jüngeren vieles zeigen können. Dabei erinnern sie sich an ihren eigenen Schulanfang und stellen ihre eigenen Entwicklungsfortschritte in der Differenz fest. Gelerntes wird vertieft, wenn sie es rückblickend wiederholend den Neuen erklären.

· Das Sozialverhalten wird besser, weil sich die Älteren in der Rolle der Hüter und Vermittler von Regeln mit diesen noch einmal vertieft auseinander setzen. Die Jüngeren nehmen die Regeln in der persönlichen Auseinandersetzung von den Älteren leichter an als in einer frontalen Lehr-Lern-Situation.

· Die Lehrerin und der Lehrer können eine Reihe Aufgaben am Schulanfang bereits im Vorfeld einführen und einüben. Die neu hinzukommenden Kinder wachsen schnell in die vorstrukturierte und vorgelebte Situation hinein.

· Kinder können die Schuleingangsphase (Pensum der Klasse 1 und 2) in einer jahrgangsgemischten Gruppe so schnell sie können durchlaufen. Wenn sie dann nach einem, zwei oder drei Jahren in die dritte Klasse wechseln, tun sie das immer in Begleitung einiger MitschülerInnen. Während ihrer Verweildauer in der Schuleingangsphase werden sie weder versetzt, noch zurückgestuft. Vielmehr lernt jedes Kind auf seinem Niveau in der Stammgruppe.

Merkmale der Jahrgangsmischung in der Schuleingangsphase
Im Schulversuch "
Veränderte Schuleingangsphase in Thüringen" wurden die Klassen 1 und 2 zur Schuleingangsphase zusammengefasst. Der Unterricht gliederte sich in Stammgruppenunterricht und in Kursunterricht. Entscheidend ist, dass die Stammgruppe für die Kinder die "Klassenfamilie" wird, damit die pädagogischen Vorzüge der Jahrgangsmischung zum Tragen kommen.
Jahrgangsmischung ist nichts Neues und in fast allen Bundesländern mehr oder weniger verbreitet.
Die neue Schuleingangsphase verbreitet den reformpädagogischen Unterricht, denn das Modell des Abteilungsunterrichts, wie es in den 1950er und 1960er Jahren in kleinen Dorfschulen üblich war, steht heute nicht Modell. Vielmehr ist die Idee der Vielfalt maßgeblich.
Durch die Heterogenität steigen die Gelegenheiten, dass Kinder voneinander lernen. Eine Didaktik des offenen Unterrichts ist Voraussetzung, damit diese Möglichkeiten genutzt werden können.

Die Kinder fühlen sich in der Stammgruppe heimisch. Man spürt, dass die Gruppe eine Lerngemeinschaft ist. Um dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, gibt es integrierende Strukturen, z.B. Morgenkreise und Abschlusskreise, in denen der Tage geplant oder eine Arbeitsrückschau gehalten wird.
Nicht nur die jüngeren Kinder profitieren von den älteren Kindern, auch umgekehrt wird deutlich, welchen Gewinn die Jüngeren für die Älteren darstellen. Es sind dafür sachlich sinnvolle Helferstrukturen eingeführt, die sich nicht nach dem Alter der Kinder richten.
Von der Sitzordnung kann man nicht auf die Jahrgangszugehörigkeit schließen, vielmehr sitzen Kinder aus dem ersten Schulbesuchsjahr, aus dem zweiten und dem dritten gemischt. Der Unterricht ist so angelegt, dass die Kinder nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten, z.B. in Projekten, Arbeitsvorhaben, aber auch in Übungsstunden. Jedes Kind wird herausgefordert. Es gibt bei den Aufgaben in erster Linie Unterscheidungen nach dem Schwierigkeitsgrad und nicht vorrangig nach Jahrgängen. Die Lehrerin oder der Lehrer lässt es zu, wenn ein Kind sich vermeintlich zu schwierige oder zu leichte Aufgaben nimmt, unterstützt aber die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung.

 

Die Grundschule „Lucas Cranach“ arbeitet seit 2009 mit jahrgangsgemischten Stammgruppen in der Schuleingangsphase. Zurzeit lernen in jeder Stammgruppe jeweils 25 Kinder gemeinsam. Dabei ist die Anzahl der Kinder des 1., 2. und 3. Schulbesuchsjahres nicht in jeder Gruppe gleich verteilt.

Der Stundenplan ist dabei so gestaltet, dass 19 von 23 Wochenstunden in der jahrgangsgemischten Stammgruppe unterrichtet werden. Die Vermittlung der jahrgangsspezifischen Inhalten des Deutsch- und Matheunterrichtes erfolgt in 4 Kursstunden, in denen sich die Erstklässler aus zwei Stammgruppen zeitgleich wie die Zweitklässler aus denselben zwei Stammgruppen treffen.

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